09.09.2016

Die Rekonstruktion der Holsterburg

Durchführung des 3-D-Laserscans in der Holsterburg. Foto: LWL/R.Klostermann

Die nächsten Schritte zum 3-D-Modell

Die LWL-Archäologie für Westfalen beabsichtigt seit geraumer Zeit eine dreidimensionale Rekonstruktion der Holsterburg zur öffentlichen Präsentation im Rahmen der Bundesausstellung 2018 in Berlin und der archäologischen Landesausstellung NRW 2020 zu erstellen. Die Anlage soll in dieser Form als ein elementarer Bestandteil innerhalb des Ausstellungkonzeptes platziert und im Rahmen dessen umfassend multimedial visualisiert werden.  Dazu sind die Erstellung eines fotorealistischen 3-D-Modells und die Rekonstruktion des Baukörpers, sowie eine 3-D-Visualisierung des Burgenumfeldes anhand der vorliegenden und zukünftig zu erwartenden Forschungsergebnisse aus verschiedenen interdisziplinären Fachbereichen notwendig. Innerhalb der zukünftigen Präsentation ist beabsichtigt, das 3-D-Modell aus einer sich darstellenden Grabungssituation erwachsen zu lassen. Aus dem konkreten archäologischen Befund soll dabei die Holsterburg zum Zeitpunkt ihrer architektonischen „Hochphase“ somit virtuell „wiedergeboren“ werden.

Filmische Dokumentation des 3-D-Laserscans mit einer Drohne durch Rudolf Klostermann. Foto: LWL

Hinsichtlich dieses Zieles bildete für beide Aspekte, also sowohl die Aufnahme der Befundsituationen als auch Rekonstruktion, zunächst ein umfassender 3-D-Laserscann eine erste, wenngleich wesentlich Grundlage. Dieser 3-D-Laserscan wurde Mitte August nach umfangreichen archäologischen Vorarbeiten, über die sowohl in den Printmedien wie auch über die Wege der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der LWL-Archäologie für Westfalen bereits ausführlicher berichtet wurden, durch Reunion media, Kooperationspartner des Büros für Burgenforschung Zeune, durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Er umfasste dabei entsprechend der Maßgabe neben den freigelegten baulichen Resten der imposanten oktogonalen Wehranlage bei Warburg auch die gegenwärtige Grabungssituation.

 

Treffen des wissenschaftlichen Beirates zur Rekonstruktion der Holsterburg in Warburg. Foto: LWL/M. Thede

Hinsichtlich der im nächsten Schritt zu erfolgenden Rekonstruktion der Holsterburg wurde seitens des Fachreferates für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen nun erstmalig der wissenschaftliche Beirat einberufen. Das mit ausgewiesenen Experten verschiedener archäologischer und kunstgeschichtlicher Fachbereiche und darüber hinaus auch international besetzte Gremium, Letzteres ein Aspekt, welcher auch der europäischen Bedeutung der Anlage Rechnung trägt, tagte dabei am 23./24. August 2016 auf der Holsterburg und somit direkt am Objekt. Im Rahmen dieses Treffens wurden seitens der Mitarbeiter der LWL-Archäologie die anwesenden Apl. Prof. Dr. Stefanie Lieb (Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln; Katholische Akademie Schwerte (Schwerte)), lic. phil. Thomas Bitterli-Waldvogel (Schweizerischer Burgenverein (Basel)) und Mag. Dr. Thomas Kühtreiber (Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Krems);  Interdisziplinäres Zentrum für Mittelalterstudien Universität Salzburg) zunächst über den aktuellen Stand der Grabungen und die sich darstellende Befundsituation informiert. Im Anschluss daran wurde ihnen ein erster, seitens des Leiters des Fachreferates für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie Dr. Hans-Werner Peine und des Grabungsleiters Kim Wegener erarbeiteter Rekonstruktionsentwurf präsentiert. Dieser sich an dem gegenwärtigen archäologischen Befund vor dem Abschluss der Grabungen 2016 orientierende und mit ersten grafischen Umsetzungen durch die Grabungstechnikerin Maja Thede versehene Gestaltungsvorschlag wurde dabei detaillierter erklärt und ausführlich diskutiert.

Die Grabung Holsterburg im August 2016, im Hintergrund die Gipfelburg auf dem Desenberg. Foto: LWL/R. Klostermann

Die erste Zusammenkunft des wissenschaftlichen Beirates ist dabei als durchweg positiv zu bewerten. Abschließend ließ sich jedenfalls konstatieren, dass das Ziel des Treffens erreicht wurde: das Objekt konnte umfassender in Augenschein genommen, erste bauliche Details in einer sehr kollegialen Atmosphäre diskutiert werden. Rekonstruktionsvorschlag und ausführliche Gespräche bilden dabei die Basis für zukünftige Treffen, sowie die damit verbundenen weitergehenden Diskussionen und den intensiven wissenschaftlichen, länderübergreifenden Austausch.

Hans-Werner Peine erläutert den Kollegen den archäologischen Befund im Inneren der Burg. Foto: LWL/M. Thede

Das nächste Treffen des wissenschaftlichen Beirates, dann hoffentlich auch mit Dr. Jacky Koch (Pôle d'Archéologie Interdépartemental Rhénan (PAIR) (Selestat)),  wird in diesem Zusammenhang Anfang Oktober 2016 in den Räumlichkeiten der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster stattfinden. Im Rahmen dieses Termins wird es in erster Linie um weitere, vornehmlich architektonische Gestaltungsdetails der Rekonstruktion gehen. Hierzu sollen auch Vergleichsbeispiele anderer, möglichst zeitgleicher Bauten diskutiert und auf ihr Potential abgetastet werden. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass der grundsätzliche Entwurf auch aufgrund neuer Erkenntnisse durch die fortschreitenden Grabungsarbeiten noch in Teilen ergänzt oder abgeändert werden muss. 2017 wird jedoch eine archäologisch wie kunsthistorisch fundierte und einem breiten wissenschaftlichen Konsens entsprechende Rekonstruktion dieser herausragenden Anlage stehen.

Kim Wegener

Kategorie: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

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