14.07.2016

Länderübergreifendes Publikationsprojekt

Dr. Hartmut Laumann (1949-2001) Foto: H. Menne (Olpe)

Online: Dissertation von Hartmut Laumann zur Eisenzeit in Nordhessen

Hartmut Laumann war von 1982 bis 2001 wissenschaftlicher Referent der LWL-Archäologie für Westfalen in der Außenstelle Olpe. Er wurde überregional vor allem wegen seiner Forschungen zur eisenzeitlichen Montanlandschaft Siegerland bekannt, wo er neue Ansatzpunkte entwickelte, diese besondere Siedlungslandschaft zu verstehen.

In Westfalen ist weniger bekannt, dass H. Laumann zuvor in seiner 1981 eingereichten Dissertation die gleichen Aspekte für Nordhessen, dem heutigen Schwalm-Eder-Kreis, untersucht hatte. In seiner umfangreichen Doktorarbeit arbeitete H. Laumann nahezu das gesamte damals bekannte eisenzeitliche Fundmaterial von Ausgrabungen, Sammlungen oder Heimatforschern auf. Diese Doktorarbeit ist daher bis heute nicht nur grundlegend zum Verständnis der Eisenzeit in Hessen sondern ebenso für Südwestfalen, wo sehr viele Kulturkontakte zum benachbarten Osten und Südostenbestehen.

Leider konnte H. Laumann die Publikation seiner Dissertation nicht realisieren. Der Forschung stand deshalb bislang lediglich das Abgabeexemplar der Dissertation als Präsenzband in der Bibliothek des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität Marburg zur Verfügung. Zudem waren viele Grafiken schlecht lesbar und Funde waren unmaßstäblich bzw. uneinheitlich im Maßstab dargestellt. Aufgrund dieser Umstände wurde die Arbeit Laumanns selten berücksichtigt.

Nach dem Stellenantritt von Dr. Manuel Zeiler in der Außenstelle Olpe 2012 wurden die zumeist unbeschrifteten Grafiken Laumanns verstreut wiederentdeckt. Gemeinsam mit Dr. Ulrike Söder/Vorgeschichtliches Seminar der Philipps-Universität Marburg und in Kooperation mit der hessenArchäologie (Dr. Andreas Thiedmann), der für Hessen zuständigen archäologischen Denkmalpflege, wurde daraufhin ein länderübergreifendes Projekt ins Leben gerufen, um die Publikation der Dissertation zu erreichen.

Eisenzeitliche Keramikfunde aus Borken-Dillich 1 (Schwalm-Eder-Kreis, Hessen)

Dank der organisatorischen Hilfe der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. (KAL) und vor allem auf Grundlage der großzügigen Finanzierung durch die Archäologische Gesellschaft in Hessen e.V. (AGiH) wurden die Texte, Grafiken und Fundzeichnungen Laumanns mithilfe studentischer Hilfskräfte druckfertig umgesetzt. Doch der Teufel steckte im Detail: Nahezu jede Einzelzeichnung der in Olpe aufgefundenen Fundtafeln musste mangels Tafelbeschriftung mühevoll ihrem Fundort zugeordnet werden, denn H. Laumann hatte seine für die Dissertation verwendeten Fundzeichnungen von den Olper Grafikern Karin Petrs und Andreas Müller neu zeichnen lassen, wodurch er die alte Ordnung auflöste.

Eisenzeitliche Kleinfunde aus Fritzlar-Wehren 2 (Schwalm-Eder-Kreis)

Nun steht die Dissertation endlich 35 Jahre nach Abgabe der  Öffentlichkeit zur Verfügung. Mit Unterstützung der Universitätsbibliothek der Philipps-Universität Marburg gelang die Internetveröffentlichung, die seit 12.07.2016 in zwei PDf-Dateien gegliedert abrufbar ist.

Während ein zusätzliches Kapitel von den Herausgebern der Arbeit vorangestellt ist, um eine aktuelle Bewertung der Dissertation und den Verlauf des Publikationsprojektes zu schildern, wurde der übrige Text Laumanns belassen.

Angesichts des deutlich fortgeschrittenen Forschungsstandes zur Eisenzeitarchäologie in Nordhessen steckt hier zukünftig großes Forschungspotential. Die Karten und auch die meisten Statistiken wurden vom Projektteam neu erstellt, weswegen auch erstmals alle Grabungspläne der einzigen eisenzeitlichen Töpfereifundstelle Wehren (Schwalm-Eder-Kreis) in Nordhessen nutzbar sind. Erfreulicherweise fanden sich in den Unterlagen Laumanns auch Zeichnungen von Funden, die nicht Gegenstand der Dissertation waren und – sofern möglich – der Internetpublikation der jeweiligen Fundstelle zusätzlich beigefügt wurden.

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