Archäologische Überraschung in der Herforder Neustadt

18.11.2015 Carolin Steimer

Als wir mit einem kleinen Grabungsteam am 24. August in der Komturstraße 27 mit einer kleinen Ausgrabung im Zuge eines geplanten Neubaus begannen, dachten wir an einen vielleicht zweiwöchigen Aufenthalt. Die Vielfalt der Bauaktivitäten, die sich in einer bis zu 2,30 m mächtigen Schichtenabfolge abzeichnet, hat uns dann alle sehr überrascht.

Die ältesten Relikte reichen bis in die Gründungszeit der Herforder Neustadt im Jahr 1224 zurück. Mit dieser ersten archäologischen Ausgrabung in der Herforder Neustadt bekommen wir Einblicke in die Baugeschichte der Stadterweiterung. Die Voraussetzungen für die Erforschung sind deshalb so gut, weil die Spuren der einstigen aufeinander folgenden Wohnhäuser Schicht für Schicht in einer Mächtigkeit von insgesamt über 2 Metern übereinander lagen. Grund war, dass die neue städtische Gemeinschaft ein feuchtes und unebenes Areal zugewiesen bekam, das als Bauland wenig geeignet war. In mindestens 50 cm tiefen Senken oder kleinen Rinnsalen stand längere Zeit Wasser.

Die Neubürger mussten deshalb im frühen 13. Jahrhundert zunächst die feuchten Senken mühsam zuschütten, um ein ebenes und halbwegs trockenes Baufeld zu bekommen. Obwohl die untersuchte Fläche sehr begrenzt ist, konnten auf dem untersten Laufniveau drei Holzbauphasen nachgewiesen werden.
Eine Brandschicht zeigt, dass das zweite Holzgebäude einem Feuer zum Opfer fiel. Noch im 13. Jahrhundert wurde das Gelände um 60 bis 70 cm flächig aufgefüllt und auf diesem höherem Laufniveau  ein neues Haus errichtet. Die in Backsteinen fein gesetzte Herdstelle ist noch erhalten geblieben. Auch dieses Haus brannte ab und wurde durch ein neues Holzhaus ersetzt. Reihen von Pfostenlöchern zeigen die Bauflucht senkrecht zur Straße an. Im 14. Jahrhundert wurde das Areal erneut aufgeschüttet und das Holzhaus durch ein massives Steingebäude ersetzt. Bei der Grabung wurde die 90 cm mächtige Westwand des repräsentativen Wohnhauses freigelegt, das mit dem Giebel zur Straße ausgerichtet war. Eine schmale Gasse zwischen Wohnhaus und Grundstücksgrenze erschloss damals den Garten.

Der ehrenamtliche Grabungsmitarbeiter Matthias Polster freut sich über Topffragmente des 13. Jahrhunderts.

Text: Sven Spiong

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