13.10.2016

Hilfe, die Schweden kommen!

Die angespitzten Pfähle der Mauerfundamentierung, deren dendrochronologische Datierung noch aussteht. Foto: LWL/T. Pogarell

Bastion in Wiedenbrück unter der Lupe der Archäologen

Ein Neubau mit vollständiger Unterkellerung gab den Archäologen die Möglichkeit, die frühneuzeitliche Befestigung der Stadt Wiedenbrück zu untersuchen. Bereits auf den Nachbargrundstücken hatte es in der Vergangenheit Einblicke in den Boden gegeben, die Anhaltspunkte für den Ausbau in der frühen Neuzeit gaben.

So erkannten die Archäologen 2001 am Schnittpunkt von mittelalterlichem Stadtgraben und dem Rindertor, dem Stadtausgang nach Norden, ein kurzes Fundament, das mit einem Außentor in Verbindung gebracht wurde. Eine abknickende Pfostenreihe nordöstlich davon sowie die angeschnittene Innenkante eines zweiten Grabens ließen sich aufgrund dendrochronologischer Untersuchung bereits der bastionären Ausbauphase zuordnen.

Bei der Baustellenbeobachtung, die jetzt durchgeführt wurde, konnte nicht nur die Außenkante des 2001 angeschnittenen Außengrabens erfasst, sondern auch die Fortsetzung der Gesamtanlage ansatzweise fortgeführt werden. An den Außengraben schloss sich demnach ein circa 8 m breiter Wall an, auf dessen Wallkrone eine 0,8m breite Bruchsteinmauer, wohl die Ansätze einer Brustwehr, verlief. Sie war auf Pfählen gegründet und fluchtete mit dem Außengraben. Stadtauswärts schloss sich ein weiterer dritter Graben an, dessen Außenkante allerdings (noch) nicht aufgedeckt werden konnte.

Blick auf auf das Westprofil der Baugrube mit der mutmaßlichen Brustwehr. Foto: LWL/T. Pogarell.

Ob es sich bei der in beiden Grabungen erfassten Ausbaustufe um die Überreste einer Bastion im Bereich des Rindertores gehandelt hat, ist aufgrund des fragmentarischen Befundes nicht eindeutig zu entscheiden. Ersichtlich wird allerdings, dass die frühneuzeitliche Befestigungsanlage, die im 17. Jahrhundert ein bewegtes Schicksal hatte, weitaus aufwändiger war als der Stadtgrundriss von 1766 erschließen lässt. Auch der äußerste Graben war bislang nicht bekannt. Seine Außenkante und damit die Grabenbreite könnte bei einer geplanten Baumaßnahme auf dem Nachbargrundstück ermittelt werden und die beschriebenen archäologischen Untersuchungen abrunden.

Genutzt haben die Anstrengungen, die den Bürgern bei der Errichtung der Festung auferlegt wurden, allerdings wenig:  1626 besetzten dänische, 1647 schwedische Truppen die glücklose Stadt.

Thomas Pogarell

Kategorie: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie

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