14.10.2016

Zwei Pfund Glück!

Sundern. Kaiserzeitlicher Bleibarren; Länge 5,6 cm - Foto: LWL-AfW Olpe/Hermann Menne.

Ein neuer "germanischer" Bleibarren der Römischen Kaiserzeit aus dem Hochsauerlandkreis

Zu den spannendsten Phänomen der Römischen Kaiserzeit in Westfalen zählt die Bleiproduktion im Hochsauerland bis in die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Denn obwohl weit von der Grenze des Imperiums entfernt, wurde hier Blei für das römische Absatzgebiet hergestellt. Dabei wurde zumeist das römische Gewichtssystem genau eingehalten, weswegen zu vermuten ist, dass römische Berg- und Hüttenleute selbst an der Produktion im Barbaricum beteiligt waren oder zumindest einen Technologietransfer auslösten. Immer wieder wird dabei auch das Römerlager Rüthen-Kneblinghausen mit der Bleigewinnung in Zusammenhang gebracht, da es ungewöhnlich weit von der römischen Ost-West-Marschroute durch die Region (Hellweg) aber dicht benachbart zum Bleiabbaugebiet um Brilon liegt.

Durch intensive Forschungen im Hellweggebiet ist uns heute die Struktur und Organisation der germanischen Ansiedlungen bekannt, in denen die Fabrikation der Endprodukte stattfand und die sicherlich auch Anlaufstationen des überregionalen Güterausstausches waren. Nahezu unbekannt sind uns hingegen die Hüttenplätze und völlig im Dunkeln liegt noch der kaiserzeitliche Bergbau.

Wie auf einer Schnitzeljagd nähert sich die Archäologie dem Bergbau allmählich, indem sie über seltene Einzelfunde immer enger die potentiellen Abbauregionen eingrenzt. Ein solcher wichtiger Fund entdeckte im Mai 2016 der Sondengänger Ingo Krull auf dem Acker bei Sundern-Endorf. Die Fundstelle liegt nahe den ausgedehnten Bergbaurelikten von Sundern-Bönkhausen, wo im 15. Jahrhundert Silber und Blei gewonnen wurden. Bislang war keine kaiserzeitliche Fundstelle aus diesem Gebiet bekannt

Das gut erhaltene und 5,6 cm lange Stück wiegt 600 g, was fast exakt zwei römischen Pfund entspricht. Dem Finder ist zu gratulieren und weiterhin Glück zu wünschen!

Manuel Zeiler

Kategorien: Außenstelle Olpe · Neufunde

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