Ein Jahr in der Archäologie

03.12.2021 Michael Baales

Erwitte-Eikeloh (Kr. Soest). Joris Coolen überließ auch mir die Bedienung des Georadargeräts – LWL-AfW/Olpe, M. Baales

Ein Jahr in der Archäologie

Mein FSJ bei der LWL-Archäologie in Olpe

Hallo!

Ich bin Matthias Rosenthal und seit September 2021 in einem freiwilligen sozialen Jahr in der Archäologischen Denkmalpflege. Um genau zu sein, bei der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen.

Ich habe eine große Vorliebe für Geschichte und war mir schon früh darüber im Klaren, dass ich etwas in diesem Zusammenhang machen möchte. Was gäbe es da Besseres, als ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den LWL-Archäologen, um in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln?

Zu meinem großen Glück war ich gleich zu Anfang meines FSJs in eine recht große Grabung involviert, die von unserer Außenstelle geleitet wurde. Das Ganze fing also schon mal gut an!

Schon im Sommer wurde auf einem Acker in Erwitte-Eikeloh mittels eines Bodenradars eine Struktur im Boden untersucht, die für mich nur nach einer unauffälligen Erhebung im Boden aussah. Im Laufe der folgenden Grabung habe ich eine Menge über das Handwerk der Grabungstechniker gelernt, die mit mir auf der Fläche waren. Zum Beispiel, wie und warum man eine Fläche (das Planum) oder eine Grabungswand (das Profil) von Verschmierungen und Erdkrümeln befreien muss, bevor man Befunde (menschliche Eingriffe in den Boden, die für Archäolog:innen relevant sind) dokumentiert.

Drolshagen (Kr. Olpe): Kolleg:innen und ich (Bildmitte) beim Putzen eines Planums, eine der Hauptaufgaben auf jeder Ausgrabung – LWL-AfW/Olpe, T. Poggel

Vom ersten Tag an durfte ich aktiv beim Putzen des Planums helfen und nach einigen Tagen fand ich sogar zum ersten Mal ein paar Tierknochen und später einige Keramikscherben, was eine sehr aufregende Erfahrung für mich war.

Drolshagen (Kr. Olpe): Mein Versuch mit dem Tachymeter archäologische Befunde einzumessen – LWL-AfW/ Olpe, T. Poggel

Auch schon am ersten Tag sollte ich das Vermessen mit einem Tachymeter übernehmen. Das Messen mit dem Präzisionsgerät stellte sich aber als schwieriger heraus, als ich dachte.

Die Grabungstechniker erklärten mir später zum Glück, wie und warum man die Werte, die mit dem Tachymeter ermessen werden, bei der Nachbearbeitung am Computer verwendet. Das half mir dann zu verstehen, worauf ich bei den Messungen achten muss, wie z.B. auf der Baustelle in Drolshagen (Kr. Olpe) am Heimathaus.

Erwitte-Eikeloh (Kr. Soest): So etwas – Mauerzüge – hätte ich unter einer kleinen Geländeerhebung nicht erwartet – LWL-AfW Olpe/F. Geldsetzer

Allgemein war man zu mir von Anfang an sehr nett. Mir wurde viel erklärt und viele Einblicke in die Praxis der Archäologie gegeben, die ich sonst erst viel später, im Studium, erhalten hätte.

Überhaupt habe ich mich über die Atmosphäre hier in der Außenstelle gefreut, die man nur als freundlich beschreiben kann.

Als nach drei Wochen die Grabung in Erwitte beendet war, konnte man mehrere Mauergrundrisse erkennen, die die Existenz von menschlicher Besiedlung auf diesem (für mich) zuerst unscheinbaren Acker dokumentierten. Der Gedanke, dass diese Mauerreste, sowie viele der anderen Funde und Befunde, die wir gemacht haben, aus dem Mittelalter kommen, haben mich tief beeindruckt.

Insgesamt war es schön, das FSJ mit so einer Grabung zu beginnen, auch wenn ich den Tag im Schlamm und mit strömendem Regen auf offener Fläche erstmal nicht vergessen werde.

Auf diese Grabung folgten mehrere Wochen, in denen ich nicht nur meine Jobs im Innendienst wahrnahm (zum Beispiel das Waschen von Funden oder das Digitalisieren von Akten), sondern auch oft mit auf Sondagen und Baubegleitungen war, wo ich mehr über das Grabungshandwerk lernte und immer wieder Befunde und Funde aus verschiedenen Epochen sehen durfte.

Auch abseits davon erklärte man mir immer wieder Dinge, die in der Archäologie wichtig sind, oder gab mir anhand interessanter Funde, wie einer restaurierten Sichel aus der Eisenzeit, Einblicke in geschichtliche Sachverhalte, über die ich mir so wahrscheinlich nie Gedanken gemacht hätte, die mich aber sehr faszinieren.

Bis jetzt hat sich mein FSJ nach den ersten Wochen jedenfalls schon gelohnt und ich bin mehr als nur gespannt was die kommenden Monate mir noch bringen werden!

Matthias Rosenthal (Wenden / LWL-AfW Olpe)