Neue Publikation zur südwestfälischen Mittelalter-Archäologie

09.06.2022 Michael Baales

Freilegung des hochmittelalterlichen Befundes 56 (Überlagerung eines Grubenhauses durch einen Keller mit Wandverstärkung aus großen Geröllsteinen und planiertem Fußboden) – Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Hermann Menne

Neue Publikation zur südwestfälischen Mittelalter-Archäologie

Grabungsergebnisse aus Brilon-Alme nun umfassend vorgelegt und bewertet

1998/99 fand die archäologische Untersuchung eines mittelalterlichen Siedlungsareals in Brilon-Alme statt. Durchgeführt wurden diese Ausgrabungen von der Außenstelle Olpe (Dr. P. R. Hömberg) und waren aufgrund der geplanten Erweiterung des Friedhofes und damit einhergehender Geländeveränderungen notwendig geworden. Während der Untersuchung konnten auf einer Fläche von etwa 700 m² insgesamt 263 archäologische Befunde und zahlreiche Funde dokumentiert bzw. geborgen werden.

Die jetzt vorgelegte Auswertung der Grabungsdokumentation durch Andreas Knäpper M.A., der sich dankenswerterweise dieser Aufgabe gestellt hat, erbrachte den Nachweis einer mehrphasig genutzten mittelalterlichen Hofstelle.

Eine erste Besiedlungsphase konnte anhand eines Sechs-Pfosten-Grubenhauses in das 8./9. Jahrhundert datiert werden. Mit diesem Befund gelang der Nachweis der bislang frühesten Siedlungstätigkeit in Brilon-Alme. Weiterhin wurden auf der Ausgrabungsfläche Gehöftstrukturen des hohen Mittelalters mit mindestens drei unterscheidbaren Nutzungsphasen samt eines größeren Brandereignisses des 10.-13. Jahrhunderts ermittelt. Dass es sich bei den ergrabenen Siedlungsbefunden des 10./11. Jahrhunderts um Teile der in der Schenkungsurkunde Ottos I. aus dem Jahr 952 genannten Ortschaft Alme (Almundoraf) handelt, ist zwar möglich, kann jedoch nicht eindeutig belegt werden. Zu einem späten Abschnitt dieser Nutzungsperiode gehört auch ein Backhaus, vermutlich ein Lehmkuppelbackofen mit Vorbau, von dem noch ein Steinfundament und einige zugehörige Pfostenstellungen festgestellt werden konnten. Dieser Befund kann aufgrund entsprechender Keramikfunde in das späte 12. bis frühe 13. Jahrhundert datiert werden.

Diese Baubefunde lassen sich in Einklang bringen mit einer Erwähnung in einer Überlassungsurkunde des Erzbischofs Dietrich von Köln an Godert von Meschede aus dem Jahr 1430, wonach die Hofstelle bereits wüst gefallen sei. Insgesamt gibt es nur wenige Anzeichen für eine spätere Nutzung des untersuchten Areals im ausgehenden Mittelalter.

Für den in einem kleinen Ausschnitt archäologisch untersuchten Bereich in Brilon-Alme ist verschiedentlich eine „Wallburg zu Alme“ postuliert worden. Bislang existiert aber kein archäologischer Befund zum Nachweis einer solchen Anlage, auch nicht aus der hier jetzt vorgelegten Grabungsfläche. Die oberirdisch sichtbaren Graben- und Wallbefunde gehen wahrscheinlich auf die Anlage von industriezeitlichen Grabensystemen zurück. Eine eindeutige Klärung kann nur durch weiterführende archäologische Untersuchungen erbracht werden.

 

Knäpper, Andreas (2022, online): Der mittelalterliche Siedlungsplatz von Brilon-Alme, Hochsauerlandkreis. Auswertung der archäologischen Ausgrabung in den Jahren 1998–1999. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 16 (2022/2023), 5-103.

https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/afwl/article/view/89091