Der Familienname „Melich“ ist in diesem Zusammenhang vergleichsweise einfach mit der Familie „Eyll“ in Verbindung zu bringen. Wichtig ist hier ein gewisser Heinrich von Melich, Herr zu Tüschenbroich. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ehelichte dieser eine Adelheid von Barrich / Balderich, mit der er mehrere Töchter hatte, von denen wiederum eine, Bela genannt, 1473 einen Syvart von Eyll heiratete. Aus dieser Ehe ging wiederum ein Caspar von Eyll hervor, der eine gewisse Elisabeth von Velbrüggen heiratete.
Allein dadurch sind nun drei der abgebildeten Wappen in einen engeren Zusammenhang gebracht. Die oberhalb des Allianzwappens befindlichen Wappen „Eyll“ und „Velbrüggen“ symbolisieren die Familienzweige der jeweiligen Elternteile des Verstorbenen, die unteren Wappen scheinen wiederum auf die Großeltern hinzudeuten, wobei mit dem „Melich“-Wappen zumindest ein Zweig sicher identifiziert werden kann.
Der hier Bestattete dürfte somit ein Nachkomme der Ehe Caspars mit Elisabeth sein. „Leider“ hatten die Beiden aber gleich drei sicher nachweisbare Söhne: zunächst Bernard von Eyll, dann einen gewissen Sybert von Eyll zu Langen und schließlich Reynart von Eyll zu Lauersforth. Sybert scheint dabei allein vom Namen her natürlich der heißeste Kandidat zu sein, dennoch gilt es die anderen beiden auszuschließen. Wichtig ist dabei vor allem der genannte Übergang des Hauses Langen an die Familie „Eyll“ 1590.
Bernard von Eyll ist relativ leicht auszuschließen. Dieser heiratete 1561 Elisabeth von Buyren, welche wiederum Mitte der 1570er Jahre in den Quellen als Witwe desselben in Erscheinung tritt. Damit war Bernard bereits tot, als Haus Langen in den Besitz der Familie Eyll gelangte. Seine Töchter heirateten in andere Familien ein, scheiden somit ebenfalls aus.
Reynart von Eyll zu Lauersforth scheint auf den ersten Blick ebenfalls auszuscheiden, jedoch irritiert in diesem Zusammenhang der Beginn der überlieferten Inschrift auf der Grabplatte: „(...)r(e)ßfortt in der G(rafscha)fft Moerse“. Tatsächlich gibt es nämlich in der vormaligen Grafschaft Moers einen Adelssitz namens Lauersfort. Liegt hier aufgrund dieser (im wahrsten Sinne des Wortes) „Randnotiz“ also vielleicht doch Reynart begraben? Auch hier lautet die Antwort klar: nein. Reynart stirbt 1590 und damit im Jahr des Überganges an seine Familie. Lauersfort geht an seine Erbtochter Katharina.
Bleibt also Sybert von Eyll, dessen Namenszusatz „zu Langen“ bereits andeutet, dass sich hier auch diesbezüglich der (auch hier im wahrsten Sinne des Wortes) „naheliegende“ Kandidat ruhen dürfte. Sybert führte nämlich nicht nur den Familiennamen „Eyll“ und seinen Sitz „Langen“ im Namen, er lebte auch 1590 noch und starb erst kurz nach 1600. Ferner finden sich neben dem Allianzwappen mindestens drei weitere Wappen, welche seine verwandtschaftlichen Bezüge zu den direkten adeligen Vorfahren zeigen: „Eyll“, „Melich“ und „Velbrüggen“, außerdem besteht ein familiärer Bezug zu „(...)r(e)ßfortt in der G(rafscha)fft Moerse“. Und nicht zuletzt passt auch die Gestaltung der Grabplatte selbst in die Zeit um 1600.
Aber wie sieht es mit seinen potentiellen Nachkommen aus? Belegt ist zwar eine gewisse Anna von Eyll, welche Johann von Loe zu Holte heiratete. Dieser taucht in einer Urkunde von 1608 aber bereits mit dem Namenszusatz „von Loe zu Holte und Langen“ auf. Sowohl Anna als auch Johann hätten somit ein anderes Allianzwappen gehabt. Die Namenskombination „Eyll / Langen“ ist also offensichtlich nach dem Ableben Syberts Geschichte.
Somit dürfte nach gegenwärtigem Arbeitsstand (aber zumindest mit einiger Sicherheit) unter der Grabplatte von Everswinkel besagter Sybert von Eyll zu Langen bestattet sein. Aufgrund der Lage in situ ist davon auszugehen, dass dem auch immer noch so ist.
Autoren: Kim Wegener / Wolfram Essling-Wintzer