Landwirtschaft durch die Jahrtausende

23.05.2017 Carolin Steimer

Michael Becker (links) entdeckte die Fundstelle, Daniel Brandes von der Ruhr-Uni soll die Grabungsergebnisse im Rahmen einer Master-Arbeit demnächst auswerten (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Erneute Grabungsarbeiten in Fröndenberg „Im Sundern“ (Kr. Unna)

Der engagierte Heimatforscher Michael Becker ist seit vielen Jahren im Raum Fröndenberg aktiv und begeht die Äcker auf der Suche nach urgeschichtlichen Oberflächenfunden. 2006 entdeckte er dabei auf einem Acker in Fröndenberg neolithische Steinartefakte, barg seitdem dort immer wieder Oberflächenfunde und meldete sie der Außenstelle Olpe. Zum Fundus zählen Klingenbruchstücke und Abschläge aus Baltischem oder Westeuropäischem Feuerstein und Beilklingenfragmente aus Felsgestein.

 

Die Parzelle der Fundstelle grenzt an den landwirtschaftlichen Betrieb von Franz Brinkmann, der derzeit seinen Betrieb ausbaut und dafür Bauflächen für Wirtschaftsgebäude und Infrastruktur erschließt. Dieses Vorhaben war Michael Becker bekannt und er beteiligte die LWL-Archäologie für Westfalen an den Maßnahmen, weswegen im Vorfeld der verschiedenen Baumaßnahmen seit 2015 Sondagen und archäologische Ausgrabungen – in enger Kooperation mit dem Landwirt – von der Außenstelle Olpe realisiert werden konnten.

Die abgezogene Wegetrasse wird auf archäologisch relevante Funde und Strukturen untersucht (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

So untersuchte 2016 eine mehrwöchige Grabungskampagne das Areal des zukünftigen Wirtschaftsgebäudes (https://www.lwl-archaeologie.de/blog/froendenberg-siedlungsreste) und dokumentierte zahlreiche Befunde und Funde. Dort befanden sich Siedlungen aus zwei Epochen der Jungsteinzeit sowie eine aus der älteren Eisenzeit.

Unscheinbar: Eine Rest einer Pfostengrube im Planum (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler)

Nun stand die Erschließung einer Trasse um das zukünftige Wirtschaftsgebäude herum an. Mitarbeiter der Außenstelle Olpe, Ehrenamtliche der Ruhr-Universität Bochum sowie Michael Becker begleiteten die Maßnahme. Immer wieder fand das Team am Übergang von Ober- zu Unterboden Steinartefakte, Holzkohlenstücke oder kleinste Keramikbruchstücke. Eindeutige Grubenbefunde, die von den urgeschichtlichen Bauern hinterlassen wurden, fanden sich jedoch nur im Nordwesten. Es handelte sich um die Überreste eines Pfostenlochs und einer etwas größeren Grube, die teilweise nur schwer vom umgebenden gewachsenen Boden zu unterscheiden waren. Nach ihrer Freilegung wurden sie dokumentiert und vollständig ausgegraben. Während das Pfostenloch fundleer war, lässt eine Bodenscherbe aus der Grube einen eisenzeitlichen Datierungsansatz vermuten. Da in der großflächigen Wegetrasse sonst keine Befunde mehr festgestellt wurden, ist davon auszugehen, dass hier die Erosion bereits diese zerstört hat bzw. das Siedlungsareal hier endete.

Die gelungene Kooperation aus engagiertem Heimatforscher, Landwirt und LWL-Archäologie für Westfalen konnte so insgesamt die mehrtausendjährige Geschichte dieses Ortes untersuchen, wo seit der Jungsteinzeit und mit Unterbrechungen bis heute Landwirtschaft betrieben wurde. Alle archäologischen Maßnahmen sollen nun im Rahmen einer Masterarbeit am Institut für Archäologische Wissenschaften der Ruhr-Universität Bochum ausgewertet werden.

 

Dr. Manuel Zeiler