15.09.2016

Die letzten Reste

Fröndenberg. Ein Blick von oben. - Foto: Samantha Seithe.

Weitere Siedlungsspuren in Fröndenberg/Ruhr (Kr. Unna)

Schaufeln, Kellen und weitere Utensilien finden ihren Weg aus dem vollgepackten Transporter und Anhänger in die Lagerräume der Außenstelle Olpe. Unterlagen werden sortiert, die Daten der Vermessungsinstrumente und Digitalkameras zur weiteren Bearbeitung in den Computer eingegeben. Die Inhalte der Fundtüten werden auf zahlreichen Tischen großflächig ausgelegt.

Nach sechzehn Tagen und 3500 untersuchten Quadratmetern endet die Feldarbeit in Fröndenberg – „Im Sundern“, die eigentlich bereits vor Jahren mit der Aktivität von Michael Becker, engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter der LWL-Archäologie für Westfalen, begonnen hatte. Seine vielen Lesefunde deuteten bereits seit langem an, dass die dortige Region seit Tausenden von Jahren immer wieder von Menschen aufgesucht worden war. Ein Bauvorhaben im Umfeld einiger seiner Funde veranlasste dann 2015 eine eintägige Voruntersuchung, bei der durch einen ca. 70 x 4 m großen Baggerschnitt der Oberboden abgetragen und eine befundführende Schicht freigelegt worden war. In ihm konnten mehrere Befunde, z.B. eine Abfallgrube mit Tierknochenresten und Gruben mit eisenzeitlichen Keramikscherben, dokumentiert werden.

 

Fröndenberg. Keramikscherben "in situ". - Foto: Thomas Poggel/LWL-AfW Olpe.

Somit war es unausweichlich, die gesamte Fläche des geplanten Bauprojektes archäologisch zu untersuchen. Ein Team aus ehrenamtlichen Helfern, Studierenden der Ruhr-Universität Bochum und Mitarbeitern der Außenstelle Olpe sicherte im August 2016 die letzten Reste längst vergangener Siedlungstätigkeit vor der Zerstörung und Material für zukünftige, interdisziplinäre Forschung. Etwa 80 Befunde wurden im Planum und Profil geputzt, fotografiert, vermessen, gezeichnet und beschrieben. Sehr viele Holzkohlenstückchen konnten geborgen werden und stehen für Analysen und 14C-Datierungen (Radiokarbonmethode) zur Verfügung. Das Sediment verschiedener Gruben wurde für weitere Analysen in dutzende Säcke verfüllt.

Fröndenberg. "Der schmale Graben" - Ein Teilstück im Planum. - Foto: Thomas Poggel/LWL-AfW Olpe.

Neben Gruben mit zunächst unbestimmter Nutzung und einigen Pfostengruben mit deutlich sichtbarer Pfostenstandspur war ein Graben interessant, der leider stark gestört war, aber noch partiell auf einer Länge von ca. zehn und vier Metern verfolgt werden konnte. Trotz Bodenverlust durch Bewirtschaftung und Erosion hatte er bis zu einer Tiefe und Breite von 0,5 m in die Gegenwart überdauert.

Ein erster Blick auf das gesamte geborgene Fundmaterial – Keramikscherben unterschiedlicher Machart und Formprägung sowie Steinartefakte aus Baltischem Feuerstein – lässt einen mehrphasigen, neolithischen wie früheisenzeitlichen Siedlungsplatz vermuten.

Außer auf eine erfolgreiche archäologische Spurensicherung ist auf eine tolle Arbeitsatmosphäre und vorbildliches Teamwork zu verweisen. Der Spaß kam trotz hohen sommerlichen Temperaturen und teils harter körperlicher Arbeit nie zu kurz und Freiwillige, Nachwuchswissenschaftler und die viel zitierten „alten Hasen“ agierten auf Augenhöhe. Nur allzu oft wurde deutlich, dass Archäologie etwas Besonderes sein kann. Hierfür noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle!

Fröndenberg. Erfolgreiches Grabungsteam (der Entdecker hinten, Vierter von re.) - Foto: Samantha Seithe.

Wo die Feldarbeit endet, naht nun der Schreibtisch. In den kommenden Wochen wird Literatur gewälzt, die Funde gewaschen, analysiert, verglichen und genauer datiert. Die Bodenproben werden geschlämmt und auf verkohlte Makroreste (Früchte, Samen, Holzreste) für archäobotanische Untersuchungen hin untersucht. Die Dokumentation wird vervollständigt und in digitalen Datenbanken archiviert. Die wissenschaftliche Auswertung nimmt ihren Lauf und es bleibt spannend, welche Erkenntnisse diesem Fundplatz noch entlockt werden können.

Thomas Poggel, LWL-AfW Olpe; Grabungstechniker, in Fortbildung.

Kategorie: Außenstelle Olpe

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