Aufgrund der schieren Fundmenge (vor allem weil auch die Zahl der lizensierten Sondengehenden in den letzten 15 Jahren enorm angestiegen ist) und personeller Veränderungen ist eine zeitnahe Bestimmung der Funde in den letzten Jahren kaum möglich gewesen. So hat erst kürzlich eine bereits 2021 im Osten von Werl (Kr. Soest) entdeckte und von unserem Numismatiker Stefan Kötz in Münster bestimmte römische Bronzemünze Eingang in unsere Funddatenbank FuPuDelos gefunden. Die im Durchmesser gut 22 mm große Münze ist auf den ersten Blick unspektakulär (und zudem leicht beschädigt), da der geprägte Kopf auf der Vorderseite völlig verschliffen ist. Auf der Rückseite jedoch ist noch recht deutlich das bekannte „XP“-Symbol oder Chi-Rho (Christogramm; ΧΡΙΣΤΟΣ für christos) zu erkennen, dass seit dem (sog.) ersten christlich-römischen Kaiser Konstantin I. als frühchristliches Zeichen gilt.
Stefan Kötz konnte die schlecht erhaltene Münze dennoch eindeutig identifizieren: Es handelt sich um einen Aes II (vielleicht aus Trier), die das Bildnis des römischen Gegenkaisers Flavius Magnus Magnentius (reg. 350-353 AD) trägt und in die Zeit 352/353 AD zu datieren ist. Und obwohl Magnentius eher den alten Kulten zugewandt war, ist auf seinen Münzen häufig das Christogramm zu finden – so auch hier. Und damit ist offenbar das (bisher) älteste christliche Symbol auf (süd)westfälischem Gebiet gefunden.
Aus dem oben gesagten ist klar, dass damit die Werler „Germanen“ sicher noch keine Christen waren, und zur Wahrheit gehört auch, dass am Hellweg über ein Dutzend Fundmünzen (in ganz Westfalen um die 30) mit dem Bildnis des Magnentius bekannt sind. Allerdings hat das Chi-Rho auf diesen bisher bei uns noch keine Aufmerksamkeit erhalten – was hiermit nachgeholt sei.
Michael Baales