März 2020, ein warmer Frühling bahnt sich an und die Welt steht still: Corona ist ausgebrochen und das öffentliche Leben schien plötzlich wie eingefroren – doch darum soll es hier nicht gehen.
Anstelle dessen erzähle ich, C.L., wie ich aufgrund der Pandemie ein neues Hobby entdeckte und aus Neugier tief in die Materie des Sondengehens eintauchte, so tief, dass auch ich mir schließlich eine Sonde organisierte, ohne zu wissen, dass dies der Beginn eines neuen Kapitels und Lebensabschnitts werden sollte. Zudem förderte dieses Hobby weiter mein bereits bestehendes Interesse an Geschichte und Archäologie.
Die durch den Lockdown “gewonnene“ Freizeit verbrachte ich bei gutem Wetter draußen. Ich spazierte an Feldern entlang und ließ meinen Blick immer wieder, jedoch ohne Ziel, über die frisch gegrubberten Äcker schweifen. Eines Tages entdeckte ich ein Objekt, das offensichtlich nicht natürlichen Ursprungs war und das nur wenige Meter vor mir aus dem Boden ragte. Ich ging einige Schritte auf das Objekt zu und bemerkte, dass es aus Eisen sein musste, da es stark korrodiert war. Ich nahm es an mich. Es bestand wohl aus einer Art Blech und war deformiert; das Objekt hatte hin und wieder Bekanntschaft mit dem Pflug gemacht und lag schon etwas länger im Boden, wie es schien. Bei genauerer Betrachtung fiel mir auf, dass es sich hierbei um eine Art Messer handeln müsste, oder sogar ein Schwert? Wie alt mag dieses Objekt wohl wirklich sein? Meine Fantasie überschlug sich und die Faszination für diesen unscheinbaren Gegenstand war geweckt. Ich nahm das Objekt mit nach Hause und begann, das Internet nach Antworten auf die Fragen, die sich mir nun stellten, zu durchsuchen: Was ist das, wie alt ist es, wie kommt es dort hin und … liegen auf den Äckern vielleicht noch mehr und/oder ganz andere Objekte herum? Wenn ja, gibt es eine Möglichkeit, diese zu finden? Mein Weg führte mich zu YouTube. Hier hatte ich meinen ersten Kontakt mit diesem “seltsamen“ Hobby, Sondengehen, oder Sondeln, wie es die Urgesteine der Szene nennen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Videos darüber nicht verschlungen hätte.
Nach dieser intensiven Recherche und einigen Facebook-Kommentaren später führte mich mein Weg zur LWL-Archäologie für Westfalen, der Anlaufstelle für die legale Suche mit dem Metalldetektor. Ausgestattet mit einer Grabungserlaubnis, umgangssprachlich auch NFG (Nachforschungsgenehmigung) genannt, zog ich in nahezu jeder freien Minute meine Bahnen über die Äcker in der Nähe meines Wohnorts. Mit zunehmender Erfahrung wuchs auch die Geduld und das Verständnis für die Funktion der Sonde und ich machte nach und nach schöne Funde, über die sich auch die Abteilung für Sondengehende bei der LWL-Archäologie für Westfalen in Münster-Coerde freute.
Im Zuge dessen stellte sich heraus, dass es sich bei meinem vermeintlichen „Schwert“ höchstwahrscheinlich um die Reste einer neuzeitlichen Hippe, eine Art Gartenmesser, handeln dürfte. Aber ein Schwert war es mit Sicherheit nicht. Immerhin war es ein Schneidwerkzeug und für mich somit nicht mehr weit von einem mittelalterlichen Schwert entfernt.