15.04.2016

Wie alt ist die Geweihbeilklinge mit Holzstielrest ?

Ein seltenes Stück: Geweihbeilklinge mit erhaltenem Stielrest aus Ahorn, aufbewahrt im Museum Werne

Versuch einer Datierung gestartet

Im Museum der Stadt Werne liegen zahlreiche Funde, die bereits vor Jahrzehnten bei Arbeiten im Lippebett zu Tage gekommen sind. Dr. Walter Melzer hatte sie vor Jahren einmal als Auftragsarbeit inventarisiert (publiziert in „Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe“, Band 5, 1987). Zu diesen Funden gehören u.a. eine Gussform für eine bronzezeitliche Beilklinge, ein für Westfalen einmaliges Stück, und zahlreiche Geweihbeilklingen, darunter ein Stück, in dem noch ein Stielrest aus Ahornholz steckt. Letzteres wurde um 1947 auf einer Sandbank in der Lippe bei Werne-Lenklar (Kr. Unna) ausgebaggert.

Das Alter derartiger Geweihbeilklingen ist nur schwer zu bestimmen. Sie sind vom Mesolithikum bis in die Eisenzeit in Gebrauch gewesen und auch, wenn die älteren Stücke eher rundliche und die jüngeren eher rechteckige Schaftlöcher haben, ist dies nur ein unzuverlässiges Kriterium für eine chronologische Einordnung.

Von daher ist es zu begrüßen, dass die Leiterin des Karl-Pollender-Stadtmuseums Werne, Frau Heidelore Fertig-Möller (die in naher Zukunft in den Ruhestand geht), gerne mehr über das Alter dieses Stückes wissen möchte.

Vor wenigen Jahren konnte die LWL-Archäologie in Zusammenarbeit mit dem Museum Werne bereits verschiedene Einzelobjekte datieren lassen, so z. B. einen Menschenschädel in die späte Jungsteinzeit (Endneolithikum, um 2500 v. Chr., s. AiW 2014) und zwei sog. T-Äxt aus Rothirschgeweih in das frühe bzw. jüngere Neolithikum (um 3500 - 5000 v. Chr., s. AiW 2013). Die Datierung weiterer T-Äxte ist in Ermangelung von erhaltenem Kollagen leider gescheitert.

LWL-Chefrestaurator Sebastian Pechtold trennt vorsichtig eine Probe zur Datierung ab

Aktuell soll nun der eingangs beschriebene, besondere Fund einer Geweihbeilklinge mit erhaltenem Holzstiel mittels der AMS-Radiokarbonmethode datiert werden. Hierzu hat LWL-Restaurator Sebastian Pechtold von einer bereits beschädigten Stelle eine Probe abgetrennt. Dabei zeigte sich, dass im Inneren das Geweihmaterial noch sehr kompakt und stabil ist, so dass wir die Hoffnung haben, dieses Stück erfolgreich datieren zu können. Der auflagernde Lack, der einst der Konservierung diente, wurde dabei ebenfalls mit entfernt.

Trennfugen der Probe (S. Pechtold)

Frau H. Fertig-Möller ist sehr zu danken, dass sie die finanziellen Mittel auftreiben konnte und auch das Interesse hat, dieses Stück nun zu datieren. Leider liegen in zahlreichen Museen unzählige Objekte, die heute mit den verbesserten Methoden meist recht zuverlässig datiert werden könnten, was aber aufgrund des immer noch unvermeidlichen Substanzverlustes von den zuständigen Kuratoren gescheut wird. Einerseits verständlich, andererseits macht es doch Sinn, über den kulturhistorischen Wert eines Objektes mehr zu erfahren, und ihn nicht nur als Antiquität aufzubewahren.

Wir hoffen nun auf eine erneute erfolgreiche Datierung eines Werner Museumsstückes. Und vielleicht ist ja auch hierzu später wieder eine positive Überraschung zu vermelden.

 

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