Ältester Hausgrundriss des Sauerlandes entdeckt

06.11.2019 Carolin Steimer

Attendorn - Neu-Listernohl. Stammabschnitte markieren die alten Pfostengruben einer eisenzeitlichen Hofstelle. Foto: M. Baales/LWL-AfW Olpe

Archäologische Grabungen bei Attendorn (Kr. Olpe)

Die Vorrömische Eisenzeit ist im Sauerland eigentlich gut vertreten; es gibt mehrere Wallburganlagen, die in letzter Zeit immer mehr Material aus den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt liefern (es werden sogar „neue“ entdeckt), und auch Höhlen, z.B. im Hönnetal, mit einem reichen Fundstoff aus dieser Zeit. Was uns fehlte, sind die „normalen“ Siedlungen, die uns etwas über die Nutzung dieses Raumes zur Zeit der Kelten (die im Sauerland allerdings selbst noch nicht nachgewiesen sind) erzählen könnten.

Bisher war ein Hausgrundriss aus Balve-Garbeck, vor Jahrzehnten schon durch die Archäolog*innen der Außenstelle Olpe untersucht, mit seiner Zeitstellung 1. Jahrhundert n. Chr. (frühe Römische Kaiserzeit) der älteste in der Region. Die ein oder andere, kleine Grabung hat auch eisenzeitliche Siedlungsspuren ergeben, doch war die Erosion meist so stark gewesen, dass sich Pfostengruben oder gar ganze Grundrisse nicht erhalten konnten.

Das ist nun seit den Grabungen in Neu-Listernohl bei Attendorn (Kr. Olpe) Geschichte.

Im Vorfeld der geplanten Baugebietserschließung hatten wir mit der Stadt Attendorn vereinbart, dass dort aufgrund der guten Siedlungslage – wir kannten zuvor von dem Areal nichts – mittels einiger Sondageschnitte die Situation überprüft werden sollte. Wir vermuteten also ein Bodendenkmal, dass sich uns nur aufgrund der generell günstigen Siedlungslage darstellte.

Die beauftragte Fachfirma EggensteinExca traf dann im Frühjahr 2019 buchstäblich voll ins Schwarze: Gruben mit eisenzeitlicher Keramik, sogar ein Brunnenschacht. Somit war klar – der Riecher war der richtige. Hier liegt eine Hofstelle der Vorrömischen Eisenzeit. Und die wurde nun vollumfänglich untersucht. Interessant sind einige größere Gruben mit reicher Keramik: die großen Scherben kamen mitunter dicht gepackt in den Gruben vor. Eine haben wir vollständig bergen lassen und nach Münster-Coerde zu unseren Restauratoren gebracht.

Aber das eigentlich Spannende sind die unscheinbaren kleinen Gruben, in denen einst Holzpfosten standen. Von denen kamen randlich zu den großen Gruben, im Süden der Fläche, eine ganze Reihe zu Tage. Sprichwörtlich, denn mindestens zwei regelmäßige Aufreihungen sind bereits deutlich erkennbar gewesen, doch kann erst eine genauere Analyse versuchen herauszufinden, wie die Gebäude genau aussahen. Aktuell sind zwei parallele Reihen aus je drei Pfostengruben (3,5 m Abstand) klar auszumachen, vielleicht auch noch ein kleiner Vierpfostenspeicher dahinter. Das erinnert sehr an zeitgleiche Hofstellen im Rheinland oder auch aus Hamm z.B. (die dort in den letzten Jahren entdeckt wurden). Wir werden sehen, wie sich das dann schließlich einmal genau auflösen lässt.

Das Ergebnis ist wirklich toll – vor allem, wenn man bedenkt, dass von dort vorher nichts bekannt war. Es lohnt sich also fast immer, genauer hinzuschauen.

Danke an die Stadt Attendorn, die dieses Projekt professionell mit uns durchführt, und die Grabungsfachfirma EggensteinExca für die gute Umsetzung.

Michael Baales