Überraschung!

01.06.2016 Carolin Steimer

Reiche Hofstellen des 1.-5. Jahrh. n. Chr. in Salzkotten-Scharmede

Es gab keine eindeutigen Hinweise auf einen vorgeschichtlichen Fundplatz, als am westlichen Ortsrand von Scharmede Anfang April mit dem Bau des neuen Sportplatzes begonnen wurde. Die Überraschung war groß, als bei einer Kontrolle des Oberbodenabtrages zahlreiche Scherben zutage kamen.

Die vorgeschichtlichen Siedlungsreste nahmen einen Großteil des 2 Hektar großen Areals ein. Da die Erdarbeiten nur in Teilbereichen des Sportplatzes die archäologische Substanz zu zerstören drohten, wurde lediglich eine Fläche von ca. 3.000 m² archäologisch untersucht.

Luftaufnahme zu Beginn der Ausgrabungsarbeiten

Hierfür wurde von der Stadt Salzkotten eine Grabungsfirma engagiert, die unter der Fachaufsicht der LWL-Archäologie für Westfalen die Ausgrabung durchführte. Die übrigen archäologischen Flächen bleiben unter einer Aufschotterung und unter Schutz gestellt erhalten.

Bodenverfärbung eines Grubenhauses

Vier Hofstellen aus der Zeit des 1. bis 5. Jahrh. n. Chr. konnten auf dem Gelände nachgewiesen werden. Eine besteht aus einem mindestens 15 m langen Pfostengebäude flankiert von drei Grubenhäusern und mehreren Abfallgruben. Zu den ältesten Funden gehört eine elbgermanische Scherbe aus dem 1. Jahrh. n. Chr. mit einer Mäanderverzierung und zu den jüngsten stempelverzierte Keramik des 5. Jahrh. n. Chr.

Der Reichtum der Bewohner drückt sich gerade in den Metallfunden aus. Armbrustfibeln als Gewandschließen, zwei Bronzepinzetten für den persönlichen Bedarf, Glasringe als Schmuck, Gürtelbeschläge, römische Eimerbeschläge aus Bronze und römische Münzen stellen eine Auswahl des breiten Fundspektrums dar. Wir danken den Findern Istvan Pazmandi und Viktor Langolf für Ihre Mithilfe.

Römische Eimerattasche, eine Bronze-Pinzette, ein punktverzierter Ring und eine Armbrustfibel

Dieser Fundplatz steht für eine lange Siedlungskontinuität. Ihre Bewohner waren ausgesprochen wohlhabend. Gefäße wie die elbgermanische Keramik aus dem Bereich der Elbe oder Metallobjekte und Münzen aus dem römischen Reich kamen von weit her. Vielleicht hatte der Handel diese Leute reich gemacht, an einer wichtigen Handelsroute wohnten sie in jedem Fall. Die weitere Auswertung dieser Ausgrabung und des Fundmaterials verspricht jedenfalls spannend zu werden.

Text: Hans-Otto Pollmann