04.03.2019

Wieder eine neue linearbandkeramische Siedlung in der Hellwegzone

Ein Blick von oben: Drohnenfotos gehören heute zum Standard auf einer archäologischen Grabung (EggensteinEXCA/G. Eggenstein)

Zweite Ansiedlung der frühesten Bauerngemeinschaft Mitteleuropas in Ense-Bremen entdeckt

Am Nordrand von Ense-Bremen, am Ruhner Weg, wo in Kürze ein neues Wohngebiet entstehen wird, haben schon vor über 7.000 Jahren Menschen der frühen Jungsteinzeit gelebt und ihre Häuser gebaut. Die Jungsteinzeit markiert einen der wichtigsten Wendepunkte der Geschichte: Um etwa 5.500 vor Christus wurden die Menschen in Mitteleuropa erstmals sesshaft, errichten Häuser und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die jetzt gefundenen Überreste gehören zu einer Siedlung der Linearbandkeramik, der ersten Epoche jungsteinzeitlicher Bauerngesellschaften in Mitteleuropa.

Die aktuellen Ausgrabungen wurden mit der Gemeinde Ense vereinbart, nachdem Baggersondagen die Vermutung, dass hier ein Bodendenkmal liegt, bestätigen konnten. Die Grabungen werden durch die Archäologische Fachfirma EggensteinEXCA (Dr. Georg Eggenstein) durchgeführt, die die Gemeinde mit den Arbeiten beauftragt hat.

Auf der Fläche am Ruhner Weg von etwa 7.000 m² sind bereits rund 400 Befunde freigelegt worden. Wenn die Fläche vollständig untersucht sein wird, werden es noch deutlich mehr werden. Unter einem „Befund“ verstehen die Archäologen z. B. verfüllte Vorratsgruben und auch Pfostengruben von Wohnbauten, die über diese im Boden erhaltenen Standspuren von Holzpfosten rekonstruierbar sind. Die damaligen Häuser waren recht groß und erfüllten mehrere Funktionen, wie Wohnen und Getreidelagerung. Zwei Grundrisse solcher Gebäude, typischerweise Nordwest-Südost ausgerichtet und nebeneinanderliegend, sind entdeckt worden.

In den verfüllten Befunden hat sich der Abfall der Menschen erhalten, der weitere Aussagen erlaubt. So sind viele Keramikscherben mit einem eingeritzten Bandmuster verziert, die dieser Kulturgruppe den Namen gab: Linearbandkeramiker. Daneben sind sorgfältig bearbeitete Feuersteinartefakte wie Klingen und Pfeilspitzen aus Feuerstein vorhanden. Nicht selten stammen die Rohstoffe dabei aus den südlichen Niederlanden, was die weiträumigen Beziehungen der damaligen Menschen unterstreicht.

Die fruchtbaren Löss-Böden in der Hellwegregion waren für die ersten Bauerngesellschaften besonders attraktiv. So ist dies auch nicht die erste frühjungsteinzeitliche Siedlung in Ense. Vor Jahrzehnten wurden beim Lehmabbau weiter westlich bereits Überreste einer Siedlung der Linearbandkeramik entdeckt und teilweise untersucht. Es ist ganz typisch für diese Zeit, dass mehrere dieser dorfartigen Siedlungsplätze, die aus mehreren Hofstellen bestehen, benachbart liegen.

Heute erscheint die bis vor kurzem noch als Acker genutzte Grabungsfläche weitgehend eben. Durch die archäologischen Untersuchungen konnte aber festgestellt werden, dass das ursprüngliche Geländerelief sehr viel stärker konturiert war. Die Siedler vor etwa 7.300 Jahren lebten auf einem sanften Südhang, am Rand einer Geländeterrasse, die etwa einen Meter höher lag als das südwestlich angrenzende Gelände. Vermutlich gab es hier ehemals auch einen heute nicht mehr erkennbaren Bach.

Bei der Pressekonferenz vor Ort war auch der Heimatverein Ense-Bremen sehr interessiert und reichlich vertreten (LWL-AfW Olpe/E. Cichy)

Wenn die Archäologen in wenigen Wochen abgezogen sind, kann das Gelände nach über 7.000 Jahren erneut bebaut werden.

Michael Baales

Kategorien: Außenstelle Olpe · Aktuelle Grabungen

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