18.01.2017

Dem Siedlungskern von Lüdinghausen auf der Spur

Der Marktplatz von Lüdinghausen und die Baustelle aus der Vogelperspektive. Foto: LWL/R. Klostermann

Fundstelle wird vollständig photogrammetrisch erfasst

In Lüdinghausen wird derzeit im Rahmen des Regionale2016 geförderten Projekts WasserBurgenWelten nicht nur die Burg Vischering umfassend saniert. Auch der Marktplatz neu gestaltet. Seit August 2016 begleitet die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie die Neuanlage zahlreicher Leitungsgräben sowie die Erneuerung der Platzoberfläche. Mit einer Premiere: Erstmals für dieses Fachreferat der LWL-Archäologie für Westfalen wird eine Fundstelle vollständig via Photogrammetrie erfasst.

Die Erhaltung des archäologischen Befunds erwies sich als ausgezeichnet. Fast vollständig im Boden konserviert sind die Grundmauern des Rathauses samt angebautem Latrinenhäuschen. Der archivalischen Überlieferung nach war das Gebäude 1664 als Ersatz für ein 1594 abgebranntes, an derselben Stelle stehenden Rathauses errichtet worden. Auch dieser Vorgängerbau konnte in Teilen erfasst werden. Bei ihm handelte es sich um einen Fachwerkbau, dessen Grundschwellen nicht wie später üblich auf Sockelmauern lagerten, sondern lediglich mit einer Tonauskleidung im Erdreich verlegt waren. Reste der verbrannten Schwellen dokumentieren ebenso wie eine Brandschicht aus Holzkohle, Asche und verziegeltem Fachwerklehm das Feuer von 1594.

Bemerkenswert intakte Stratigraphie

Bemerkenswert ist die weitgehend intakte Stratigraphie. Seit dem hohen Mittelalter wurde das Gelände rund um den Marktplatz nach und nach sprichwörtlich aufgesiedelt. Stellenweise sind bis zu vier zeitlich aufeinander folgende Oberflächen erhalten, die man teilweise mit verrolltem Steinmaterial zu befestigen versucht hatte. Die ältesten Befunde – Pfostengruben und Schwellbalkengräben – sind in den anstehenden Sandboden eingetieft. Das zugehörige Fundmaterial verweist mit uneinheitlich gebrannter Kugeltopfware und rheinischer Importware aus Pingsdorf auf das 11. und 12. Jahrhundert.

Damit deutet sich an, dass der alte, unmittelbar nördlich der Pfarrkirche St. Felizitas gelegene Siedlungskern Lüdinghausens bereits im 11. Jahrhundert erweitert wurde. Den neuen Mittelpunkt bildete der Marktplatz, über den die Straße von Köln nach Münster verlief. Ausschlaggebend für diese Entwicklung dürfte das kaiserliche Privileg aus dem Jahre 974 gewesen sein, das der Abtei Werden für seine Besitzung Lüdinghausen das Markt- und Münzrecht verlieh.

Eine weitere Besonderheit: Angesichts des hohen Zeitdrucks der baubegleitend durchgeführten Untersuchung wird erstmals in Westfalen eine mittelalterlich/frühneuzeitliche Fundstelle vollständig photogrammetrisch erfasst und dokumentiert. Möglich macht das der Einsatz einer Flugdrohne, die für die entsprechenden Aufnahmen sorgt.

Wolfgang Essling-Wintzer/Rudolf Klostermann

Kategorien: Mittelalter- und Neuzeitarchäologie · Aktuelle Grabungen

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