Ein Marienkäfer gelangt wieder ans Tageslicht

15.02.2019 Carolin Steimer

Marienkäferportemonnaie samt Inhalt. Der kleine Fetzen in der Mitte der Überrest des Geldscheins (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/T. Poggel)

Ein besonderer Sondenfund

Marienkäfer sind nicht nur possierliche Insekten sondern gelten auch als Glücksbringer. Der Marienkäfer, der Gegenstand dieses Blog-Beitrags ist, brachte jedoch weniger Glück. Es handelt sich um ein Kinderportemonnaie, dass im April 2018 auf der Alten Burg Bad Laasphe, Kr. Siegen-Wittgenstein, gefunden wurde. Hier führte die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe, zusammen mit ehrenamtlichen Sondengängern, mit freundlicher Unterstützung der Wittgenstein-Berleburg´sche Rentkammer Bad Berleburg sowie der Realschule Schloss Wittgenstein, eine insgesamt viertägige Begehung mit und ohne Metalldetektoren durch.

Die untersuchte Wallburg datiert in die Eisenzeit und folglich wurden eisenzeitliche Funde erwartet und auch zahlreich geborgen. Nico Völkel machte aber eine unerwartete Entdeckung: Nahe eines Feldwegs, der von der südlich benachbarten Schule auf den Berg führt, detektierte er ein Objekt, dass er sofort anhand des typischen Schnappverschlusses als Portemonnaie identifizierte. Es handelt sich tatsächlich um ein kleines, 8 cm langes sowie 6 cm breites Portemonnaie aus Kunstleder und Eisen in Form eines abstrakten Marienkäfers. Der Kopf des Käfers endet im eisernen Schnappverschluss und das Kunstleder, das die Flügel darstellt, ist gelb eingefärbt. Sechs Eisenniete bilden die Marienkäferpunkte. Sie waren ehemals schwarz lackiert, aber nach vielen Jahren im Boden ging die Lackierung verloren, das Eisen rostete und das Kunstleder wurde brüchig.

Nico Völkel erkannte, dass die Börse gefüllt war, öffnete aber das Portemonnaie nicht. Dies war richtig, da das Portemonnaie teilweise schon korrodiert war und damit die Gefahr bestand, dass beim Öffnen im Gelände sensible Inhalte verloren gehen könnten. Deswegen wurde die Öffnung in der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen vorgenommen. Tatsächlich fanden sich neben Münzen kleinste Bestandteile eines Geldscheins, die beim Öffnen im Gelände wohl verloren gegangen wären.  

Die Börse enthält insgesamt 20 Deutsche Mark und 5 Pfennig. Die wertvollsten Geldstücke sind ein 5-DM-Schein mit Junge-Venezianerin-Motiv, welcher ab 1963 produziert wurde, eine 5 DM-Münze, die 1975 in der Staatlichen Münze Stuttgart geprägt wurde sowie eine weitere 5 DM-Münze, die im gleichen Jahr im Bayerischen Hauptmünzamt München entstand. Zwei 2 DM-Münzen, eine mit dem Prägejahr 1970 mit dem Motiv Theodor Heuss, und die andere aus dem Jahr 1976, mit dem Abbild Konrad Adenauers, waren aber sicher auch bedeutungsvoll. Die übrigen Münzen zu zweimal 50 Pfennig (Prägejahr 1966 und unbestimmbar), zu zweimal 2 Pfennig (Prägejahr unbestimmbar, Prägeort Staatliche Münze Stuttgart sowie Staatliche Münze Karlsruhe) sowie ein Pfennig der Hamburgischen Münze aus dem Jahr 1976 schließen das Bild ab. Somit datiert die jüngste Münze in das Jahr 1976 und auch das Portemonnaie stammt aus den letzten Jahren der 1970er Jahre. Deswegen ist wahrscheinlich, dass dieser Schatz 1976 oder kurze Zeit später verloren ging.

20 Mark und 5 Pfennig: eine Summe, die für Kinder oder Jugendliche – das Käferportemonnaie gehörte wohl eher keinem Erwachsenen – Ende der 1970er Jahre viel Geld waren. Dafür spricht auch der Nachweis von eher kleinwertigem Geld bis maximal zu 5 DM-Einheiten. Womöglich verlor eine Schülerin (?) beim Besuch der Alten Burg das Portemonnaie im Gelände, um danach traurig in die benachbarte Realschule Schloss Wittgenstein zurückzukehren.

Vielleicht kann sich noch jemand an den Verlust erinnern?

Manuel Zeiler

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