Neufunde für die Olper Datenbank

15.02.2022 Michael Baales

Zwei seltene Steinartefaktfunde aus Wenden (Kr. Olpe) – Fotos: M. Rosenthal.

Neufunde für die Olper Datenbank

Mesolithische Steinartefakte aus Wenden-Schönau (Kr. Olpe)

In meiner bisherigen Zeit als FSJler bei der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie war ich schon bei vielen Sondagen und Notgrabungen dabei. Dementsprechend durfte ich auch schon jede Menge Funde sehen. Von Scherben, über Tonpfeifen und Feuersteinartefakte bis zu Buntmetall war fast alles dabei.

Ein ganz besonderes Erlebnis hatte ich allerdings im Dezember des letzten Jahres:

Mein Vater zeigte mir eines Tages unvermittelt ein seltsam geformtes Stück Gestein, was er in der Nähe meines Heimatortes in Schönau-Altenwenden in einem Maulwurfshügel gefunden hatte. Das Stück hat scharfe Kanten und ist aus einem dunklem Gestein, welches in den Böden vor Ort so nicht vorkommt.

Es sah definitiv bearbeitet aus und deshalb nahm ich es mit zu meiner Einsatzstelle in Olpe, wo Prof. Baales das Stück für mich als Klinge aus Kieselschiefer, aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit), identifizierte!

Es wurde also vor ungefähr 8000 Jahren gefertigt und ist anschließend irgendwie in einen Maulwurfshaufen geraten, der sich auf einer einfachen Feuchtwiese auftürmte. Das muss man sich mal vorstellen!

Im Mesolithikum war das Sauerland von dichten Wäldern durchzogen, welche die Kältesteppen der letzten Eiszeit abgelöst hatten. Und aus dieser Phase der Erwärmung und des Umbruchs (sowohl in der Werkzeugherstellung, als auch der Lebensweise) stammt der Fund.

Der Kieselschiefer war dabei eine Art Ersatz für den schwerer zu beschaffenden Feuerstein, der mit den Gletschern der letzten Eiszeit nur bis ins Ruhrgebiet verfrachtet worden war.

Was dabei ebenfalls interessant für mich war ist die Tatsache, dass Funde aus der Steinzeit in der Gemeinde Wenden sehr rar sind. Dies macht die Klinge, aus archäologischer Sicht, umso spannender und hilft die Karte des mesolithischen Sauerlands zu füllen.

Ebenfalls spannend war der Hinweis von Prof. Baales, dass man solche Stücke meist nicht allein findet.

Also begab ich mich mit meinem Vater erneut auf die Fläche und untersuchten die dortigen Maulwurfshügel, der (so hofften wir) noch weitere Funde aus tieferen Erdschichten in sich verbarg.

Und tatsächlich entdeckten wir wenig später noch einen kleinen Abschlag aus Kieselschiefer. Wir halten also weiter die Augen offen! Hoffentlich ist der Maulwurf weiter so fleißig.

Es hat mich auf alle Fälle fasziniert, dass selbst Laien wie ich in der Lage sein können, solche Stücke zu finden und ich werde das Erlebnis so bald nicht vergessen!

Soweit mein zweiter Beitrag für den Olper Blog in meiner FSJ-Dienstzeit.

Matthias Rosenthal