18.04.2016

Schwelm: Rätselhafte Struktur in der Baugrube

Sandra Grunwald in der "Schwelmer Unterwelt" (M. Zeiler)

Bagger schneidet alten Hohlraum an

Bei Bauarbeiten im Rahmen der Erschließung des Wohngebietes Winterberg in Schwelm wurde in der Böschung der Baugrube ein Hohlraum entdeckt. Dieser entpuppte sich als stollenartige Struktur. Die umsichtige Tiefbaufirma sicherte die Anlage und Bauherr sowie Stadt Schwelm beteiligten die Archäologen der zuständigen Außenstelle Olpe, da es sich hier um einen Altbergbau handeln könnte.

In der Böschung einer Baugrube entdeckte Waldemar Seboldt die Tagesöffnung des Tunnels (M. Zeiler)

Dr. Manuel Zeiler, der zusammen mit der studentischen Volontärin Sandra Grunwald von der Ruhr-Universität Bochum den Hohlraum intensiv erkundete, stellte dabei fest, dass die Struktur zwar bergmännisch hergestellt wurde, jedoch kein Stollen ist: Es handelt sich um eine 52 m lange Strecke, die zunächst nach Süden führt um dann leicht nach Südwesten abzuknicken. Die Querschnitte weisen geringe Höhen und Durchmesser auf und zugleich ist der Tunnelverlauf unregelmäßig.

Eine weitere Impression aus der "Schwelmer Unterwelt" (M. Zeiler)

Der Tunnel endet im Fels worin noch eine Bohrpfeife festgestellt werden konnte. Diese entstand dadurch, dass ein tiefes Loch in Handarbeit in den Fels gebohrt und dann mit Schwarzpulver und Lehm gefüllt wurde, um anschließend mittels Sprengung den Fels heraus zu brechen. Diese Technologie setzt sich in unserer Region erst ab dem 18. Jahrhundert allgemein durch, weswegen auch der Befund in Schwelm diesem Zeithorizont zugeordnet werden kann oder jünger datiert.

Sandra Grunwald weist auf ein horizontal in der Felswand steckendes Holz hin: Hing hieran einst eine Beleuchtung? (M. Zeiler)

Der Tunnel ist sicherlich kein Teil eines Bergbaus zur Mineralien- oder Erzgewinnung, da diese hier nicht anstehen und vor allem die Bergleute den Stollen direkt in Mannshöhe und geradlinig angelegt hätten. Hinweise zur Funktion der Struktur gibt vielleicht ein Teich, der sich unmittelbar vor der Öffnung des Stollens befand. Wurde der Schwelmer Befund zur Entwässerung angelegt? Gegen diese Hypothese spricht, dass der Tunnel nahe der Bergkuppe liegt und auch zum Zeitpunkt der Befahrung kaum Wasser führte.

Da die Anlage in historischer Zeit angelegt wurde, hoffen wir nun auf Hinweise aus Archivalien, die sich vielleicht im Stadtarchiv Schwelm befinden.
 

Kategorie: Außenstelle Olpe

Schlagwort: