11.04.2016

Suche nach US-Jagdbomber im Sauerland

Die US-Historikerin Dr. Nicole Eilers (li.) präsentiert Kopien der recherchierten Akten zum Absturz einer P-38 bei Olsberg

Ein Team des Pentagons spürt abgeschossener Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg nach

Mehr als fünf Jahre haben Historiker des US-Verteidigungsministeriums im Pentagon / Washington DC dem Schicksal einer im Oktober 1944 abgeschossenen Lockheed P-38 „Lightning“, die durch ihren Doppelrumpf bekannt ist, nachgespürt. Dabei konnten sie auch noch Zeitzeugen, damals noch Kinder, ausfindig machen, die als Absturzstelle ein kleines Wäldchen nordwestlich von Olsberg (Hochsauerlandkreis) benannten. Am 4.4.2016 rückte dann ein kleines Team von Spezialisten von der „Defense POW/MIA Accounting Agency“ des „Under Secretary of Defense“ an, um die Absturzstelle näher zu inspizieren. Diese Arbeiten, bei der naturgemäß auch eine Metallsonde eingesetzt wurde, fanden in enger Absprache mit der Außenstelle Olpe statt, die seit Monaten in die Planungen involviert war.

Mit der Metallsonde werden Reste der P-38 geortet

Die Recherchen der Historiker hatten ergeben, dass der Pilot Lt. Leonard Murphy bei dem Abschuss ums Leben kam und offenbar geborgen wurde. Denn es wird berichtet, dass er auf einem in der Nähe gelegenen Friedhof beigesetzt, aber kurze Zeit später wieder exhumiert und weggebracht wurde – doch über den letzten Verbleib ist nichts mehr bekannt. Unklar war allerdings – so makaber es klingen mag, aber so sind derartige Verhältnisse nun mal gewesen – ob damals auch alle Körperteile geborgen wurden.

Die mit kleinen Fähnchen markierten Fundstellen werden näher untersucht und die Metallteile eingemessen, registriert und geborgen

Aufgabe des Suchdienstes ist es nun, die sterblichen Überreste der gefallenen Soldaten vollständig zu bergen und nach den USA zu verbringen. Sie sind daher auch in Deutschland immer wieder im Einsatz, gelten doch viele Soldaten immer noch als vermisst. So wurde im August 2005 z.B. bei Werl der Absturzort einer P-47 untersucht und Reste der Maschine geborgen sowie der noch in der Kanzel verbliebene Pilot geborgen. Die Flugzeugreste sind heute übrigens im „Pima Air & Space Museum“ in Tucson, Arizona, ausgestellt.

Anders als damals hatte der amerikanische Suchdienst nun mit der LWL-Archäologie frühzeitig Kontakt aufgenommen, so dass wir ihnen bei der Nachsuche auch helfen konnten. Geborgen wurden in dem Wäldchen zahlreiche Metallreste der Maschine, darunter auch Plexiglas der Kanzel sowie eine Bordmunitionshülse. Weitere Knochenreste wurden allerdings nicht gefunden. Vermutlich ist die Leiche seinerzeit vollständig bestattet worden.

 

In den Gesprächen vor Ort wurde vereinbart, auch für die Zukunft in solchen Fällen eng zusammenzuarbeiten sowie Hinweise auf andere archäologische Dienststellen als Ansprechpartner bei ähnlichen Fällen geben; so kümmert sich demnächst einer der Historiker um das Schicksal der Soldaten im Hürtgenwald in der Eifel, wo unsere rheinischen Kollegen zuständig sind.

So holen auch über 70 Jahre nach den letzten Kriegsmonaten diese dramatischen Ereignisse uns immer wieder ein.

Kategorien: Außenstelle Olpe · Hinter den Kulissen

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