Von Ägypten nach Westfalen

10.10.2017 Carolin Steimer

Ein internationales Team: Mohammed El-Sayed Mohamedien und Johannes Lentz auf der Ausgrabung in Dorsten-Hardt (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/J. Rosbeck).

LWL-Archäologie für Westfalen fördert internationale Zusammenarbeit

Etwa 3000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Westfalen und dem Land am Nil. Vier Archäologie-Studenten aus Ägypten haben diese Distanz überwunden. In diesem Sommer haben sie an Ausgrabungen der LWL-Archäologie für Westfalen in Dorsten und Haltern am See teilgenommen. Ob römisches Pfostenloch oder hochmittelalterlicher Brunnen: Die vier Studenten haben an einer großen Bandbreite von mitteleuropäischen archäologischen Befunden gearbeitet und die Arbeitsweise der Archäologen des LWL kennen gelernt.

Schnell wurden die Ägypter eine Teil unseres Grabungsteams. Uns ging es nicht nur darum, die in Westfalen angewandten Grabungstechniken zu vermitteln und Sprachbarrieren abzubauen, sondern auch, die kulturellen Besonderheiten des jeweils anderen Landes zu erfahren. Schon jetzt stellen wir fest, dass das Projekt für beide Seiten sehr positiv verläuft und alle Beteiligten davon profitieren.

Mohammed El-Sayed Mohamedien beim Freilegen eines Befundes (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/J. Rosbeck).

Die praktische Teilnahme an Ausgrabungen in Deutschland ist ein Kernstück der Ausbildung der ägyptischen Studenten. Die Universität zu Köln betreibt gemeinsam mit der Cairo-University den Master-Studiengang „Environmental-Archaology“. Finanziell unterstützt werden sie dabei vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Die Kooperation mit den Grabungsteams wird auf ehrenamtlicher Basis von Dr. Rudolph Kuper von der Universität zu Köln organisiert. In Haltern am See bot sich für die Studenten eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit im Grabungshaus beim Römerpark, sodass die Ägypter problemlos in Haltern und dem nahe gelegenen Dorsten arbeiten konnten.

Diesen Fassbrunnen aus dem Hochmittelalter fand das Archäologenteam in Dorsten-Hardt (Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/I. Pfeffer).

Die beiden Grabungen waren aber nur zwei von vielen Stationen in ganz Deutschland, auf denen die vier Ägypter die hiesige praktische Arbeit im Gelände kennenlernen konnten. So erhalten sie einen Einblick in die mitteleuropäische Vor- und Frühgeschichte, die sich erheblich von der Geschichte ihres Landes unterscheidet.

Text: Ingo Pfeffer