Wenn die Archäologen kommen….

14.12.2021 Michael Baales

Werl-Mawicke. Die Archäologen sind da - der Bagger kann rollen (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Müller-Delvart)

Wenn die Archäologen kommen ...

... dann finden sie auch häufig was

Es sind nicht nur die großen Grabungsprojekte, die die Archäolog:innen der Außenstelle Olpe beschäftigen, sondern ganz wesentlich auch die vielen kleinen. Einzelbaumaßnahmen des berühmten „privaten Häuslebauers“ gehören hier ganz wesentlich dazu. Soweit es Indizien dafür gibt, dass beim Bau eines Hauses eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass ältere Siedlungsspuren zu Tage kommen können, versuchen wir, den Aushub der Baugrube zu begleiten und somit mögliche Siedlungsspuren vor der unkontrollierten Zerstörung zumindest zu dokumentieren. Und dies für den „privaten Häuslebauer“ natürlich - wenn immer möglich - kostenfrei. Hierbei werden dann auch tatsächlich immer wieder neue, bisher gänzlich unbekannte Fundstellen entdeckt, wie kürzlich wieder in Werl-Mawicke.

Anlass für diese Baubegleitung war, dass Werl-Mawicke in der fruchtbaren Hellwegzone liegt, wo bereits die ersten Bauern und Viehzüchter vor über 7000 Jahren gesiedelt haben. Seit dieser Zeit sind die Siedlungsreste aller archäologischen Epochen mehr oder weniger häufig in den Boden gelangt und somit bei der Neubebauung latent gefährdet. Seitdem nun auch der Kreis Soest uns bei den kleinen Bauprojekten beteiligt, schauen wir nun auch häufiger in der Region nach dieser „kleinen“ Archäologie.

Für Mitte November war der Neubau im Südwesten von Mawicke terminiert, Grabungstechniker Matthias Müller-Delvart war mit dem studentischen Volontär Florian Gumboldt und unserem FSJler Matthias Rosenthal pünktlich vor Ort und hat den Baggeraushub begleitet. Zunächst kam nichts Relevantes zu Tage, aber dann erschien in der Südwestecke im Bereich der neu angelegten Zufahrt zum Bauplatz ein großer rundlicher Befund, eine verfüllte Grube.

Im Baggerplanum der Zufahrt zeichnet sich die Grube als großer grauer Fleck relativ deutlich ab (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Müller-Delvart)

200 m östlich haben wir 2018 bereits Siedlungsspuren dokumentieren können, ebenfalls beim Hausbau, und zwar aus verschiedenen Epochen: Neben jungsteinzeitlichen Lesefunden kamen Gruben aus der mittleren und späten Römischen Kaiserzeit zutage. Umso gespannter waren wir auf die Datierung des neuen Befunds.

Die ausgesprochen große Grube mit den Maßen 2,3 x 1,9 m war noch gut 90 cm tief erhalten. Sie enthielt zwei kleine Feuersteinartefakte und einige Keramikscherben. Interessant ist die Überlieferung von sog. durchstochenen Knubben, an denen die Gefäße aufgehängt werden konnten umso den Inhalt vor Schädlingen zu schützen. Die Machart der Keramik unterstützt aber den Verdacht einer neolithischen (jungsteinzeitlichen) Zeitstellung nicht, sie entspricht viel eher jener der Vorrömischen Eisenzeit. Allerdings haben wir bisher aus dieser Zeit kaum Gefäße mit Knubben ausgraben können. Somit sind die Funde von Mawicke schon eine gewisse Besonderheit.

Das große Profil zeigt, dass die Grube, deren Seitenwände nach oben hin einziehen, reichlich Brandschutt enthält (Foto: LWL-AfW Olpe/M. Müller-Delvart)

Die Grube selbst ist reichlich mit Holzkohlen und Brandlehmstücken versetzt gewesen, offensichtlich ist hier verbrannter Abfall entsorgt worden. Im Profil zeigt sich, dass die Grubenwände nach oben hin einziehen, demnach liegt hier eine „Kegelstumpfförmige Grube“ vor, die bei uns in der jüngeren Eisenzeit typisch waren und als Silogruben dienten, bevor sie schließlich mit Siedlungsmüll verfüllt wurden. Und wenn man weiß, dass diese Gruben gut 2 m und mehr tief sein konnten, so lernt man hier auch, wieviel Bodenmaterial in den letzten 2000 Jahren durch Abtragungsprozesse – hervorgerufen durch die menschliche Besiedlungstätigkeit und damit Öffnung der Landschaft – verloren gegangen ist.

Wir lernen also aus dieser kleinen Baustellenbeobachtung durchaus Neues, bestätigen Altbekanntes und können vielleicht auch vermitteln, dass eine grundsätzliche Angst davor, wenn „die Archäologen“ kommen, nicht wirklich begründet ist.

Michael Baales u. Eva Cichy